Eine kleine Bahn mit großer Geschichte.
Anfänge und DDR-Zeiten
Alles begann mit einem Versprechen: Zum Geburtstag des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck am 3. Januar 1956 kündigten die Eisenbahner der DDR an, den Berliner Kindern eine Pioniereisenbahn zu errichten. Was folgte, war eine bemerkenswert kurze Bauzeit von nur rund sechs Monaten – am 10. Juni 1956 wurde die Bahn feierlich eröffnet. Die Betriebsführung lag zunächst in den Händen des Magistrats der Stadt Berlin.
Mit dem Herannahen der 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 erlebte die Bahn ihre erste große Erneuerung: In den Jahren 1972 und 1973 wurde die gesamte Betriebsanlage generalüberholt, der Wagenpark – ursprünglich von der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn (MPSB) übernommen – umgebaut und modernisiert.
Die Wende brachte nicht nur politischen Wandel, sondern auch neue Namen. 1990 wurde aus der Pioniereisenbahn die Berliner Parkeisenbahn (BPE), und auch einige Bahnhöfe erhielten neue Bezeichnungen: Der Bahnhof Pionierpark „Ernst Thälmann" wurde zum Hauptbahnhof, der Bahnhof Pionierpalast zu Eichgestell und der Bahnhof Pionierzentrum zu Badesee.
Wendezeit und Privatisierung
Kaum war der 35. Geburtstag gefeiert, drohte 1991 das Ende: Die Deutsche Reichsbahn kündigte ihre Trägerschaft zum Jahreswechsel 1991/92 auf, und die Berliner Parkeisenbahn stand vor dem Aus. Doch der Widerstand war groß – durch die breite Unterstützung der Berliner und Brandenburger Bevölkerung konnte die Trägerschaft mehrfach verlängert werden.
1993 kam die Rettung: Die Parkeisenbahn wurde von der Deutschen Reichsbahn an die neu gegründete BPE Berliner Parkeisenbahn gemeinnützige Gesellschaft mbH übergeben, getragen von mehreren Eisenbahnvereinen – darunter die Schmalspurbahn-Freunde Berlin e.V. – sowie engagierten Privatpersonen. Noch im selben Jahr wurde die Strecke verlängert: Vom Bahnhof Badesee führt sie seither bis zum neuen Bahnhof Wuhlheide-Parkeisenbahn direkt am S-Bahnhof Wuhlheide.
Drei Jahre später gab es gleich mehrfach Grund zum Feiern: Zum 40. Geburtstag 1996 kamen Berliner Prominente zu Besuch, und der Fuhrpark wurde erweitert. Als Ersatz für die nach Gütersloh zurückgekehrte Lok Bielefeld kam die Dampflokomotive Arthur Koppel nach Berlin. Außerdem verstärkten zwei offene Sommerwagen – die Wagen 6305 und 6306 von der Cottbusser Parkeisenbahn – den Wagenpark in der Wuhlheide.
2010er Jahre
2011 rückte die Zukunft der Bahn erneut in den Fokus: In der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft wurde ein „Runder Tisch" gegründet, der die Weiterentwicklung der Parkeisenbahn begleiten sollte. Es begann eine Phase der Umstrukturierung, um den Fortbestand der beliebten Freizeiteinrichtung langfristig zu sichern.
Als Konsequenz aus aufgedeckten Missbrauchsfällen konnte 2013 die erste von zwei durch den Berliner Senat finanzierten Pädagogenstellen besetzt werden – ein wichtiger Schritt für den Kinder- und Jugendschutz auf der Bahn. Ab Mitte 2014 verstärkten zwei Pädagogen des Kooperationspartners tjfbg (Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft gGmbH) das Team und fanden schnell ihren Platz im Alltag der Parkeisenbahn. Im selben Jahr richtete die Bahn das Mitarbeiterfest zum 90-jährigen Jubiläum der S-Bahn Berlin aus – ein Großereignis, das die enge Verbundenheit mit der Berliner Eisenbahngeschichte unterstrich.
Zusammenarbeit mit neuen Partnern
2015 begann die Zusammenarbeit mit der Berliner Sparkasse, die den Umbau eines abgestellten Salonwagens ermöglichte. Das Ergebnis wurde zur Saisoneröffnung 2016 gefeiert: Der neue KNAX-Wagen – liebevoll aus dem alten Salonwagen hervorgegangen – wurde dem Publikum vorgestellt und ist seither bei Kindergeburtstagen und im regulären Fahrbetrieb im Einsatz. Ebenfalls 2016 feierte die Parkeisenbahn am 18. und 19. Juni ihren 60. Geburtstag mit einer Fahrzeugparade, Dampf- und Dieselzügen und einem bunten Programm für Jung und Alt.
2017 wuchs die Familie der Parkeisenbahn um einen neuen Partner: Mit dem Theo e.V. wurde eine engere Kooperation vereinbart – sichtbar gemacht durch den revidierten Wagen 6201, der seither als „Theo-Wagen" mit Motiven aus den Theo-Geschichten unterwegs ist. Im selben Jahr wurde der Bahnhof Freilichtbühne in Bahnhof Stadion umbenannt, und am Bahnhof Hauptbahnhof entstand nach einer Umgestaltung des Bahnsteigs eine neue Aufenthalts- und Veranstaltungsfläche für die Kinder- und Jugendarbeit.
Im Jahr 2018 setzte die Parkeisenbahn ihr Instandhaltungsprogramm mit großem Einsatz fort. Wagen 6202 wurde in Zusammenarbeit mit der Havelländischen Eisenbahngesellschaft (HVLE) aufgearbeitet und erhielt dabei die Farben der HVLE – erstmals wurden bei einem Wagen der Parkeisenbahn zudem die Grundvoraussetzungen für einen späteren Umbau zum Steuerwagen geschaffen. Dank privater Unterstützung konnte außerdem der offene Sommerwagen 6311 in Betrieb genommen werden, der mit hoher Sitzplatzkapazität und einem rollstuhlgerechten Abteil punktet.
Dampfspektakel und Corona
2019 war ein besonders aktives Jahr: Der Traditionszug mit den Personenwagen 6102 und 6104 sowie dem Gepäckwagen 6060 kehrte nach umfangreicher Revision in den Betrieb zurück und erfreut sich – vor allem im Dampfbetrieb – großer Beliebtheit bei Eisenbahnfans. Im September begeisterte das Dampfspektakel Groß und Klein: Neben eigenen Fahrzeugen präsentierten sich Gastlokomotiven aus ganz Deutschland, begleitet von einem großen Bühnenprogramm des Theo e.V. Noch vor Saisonende schloss auch Wagen 6205 – als letzter der vier geschlossenen Personenwagen – seine Hauptuntersuchung ab, gerade rechtzeitig für die gut besuchten Nikolausfahrten. Parallel dazu starteten umfangreiche Gleisbauarbeiten zwischen den Bahnhöfen Badesee und Betriebswerk, die durch eine öffentliche Schwellenpartnerschaft von Privatpersonen und Unternehmen mitfinanziert wurden.
2020 brachte gleich zwei Umbenennungen: Der Bahnhof Haus Natur und Umwelt erhielt den Namen Bahnhof Parkbühne, während der bisherige Betriebsbahnhof nach abgeschlossener Streckensanierung zum neuen Bahnhof Haus Natur und Umwelt wurde. Die Gleisbauarbeiten auf dem Innenring wurden fortgesetzt und ausgeweitet – ein wichtiger Schritt für die langfristige Betriebssicherheit.
Im Corona-Jahr 2021 war vieles anders, doch die Parkeisenbahn ließ sich nicht aufhalten. Trotz eingeschränktem Betrieb wurde die Strecke im Bereich des Nordzugangs saniert, Gleis 1 im Bahnhof Betriebswerk erneuert sowie die Diesellok 199 101 und Personenwagen 6307 aufgearbeitet und wieder in Dienst gestellt. Dampfwochenenden mit wechselnden Lokomotiven sorgten für besondere Momente – trotz aller Einschränkungen.
seit 2023
2023 feierte die Parkeisenbahn ein besonderes Jubiläum: Die Strecke vom Bahnhof Badesee zum Bahnhof Wuhlheide wurde 30 Jahre alt. Zu Ehren dieses Meilensteins rollten Züge in Doppeltraktion durch die Wuhlheide – zwei Dampfloks gemeinsam an der Spitze, ein seltenes und eindrucksvolles Bild.
Das Jahr 2024 stand im Zeichen von Erneuerung und Wiedereröffnung: Der Innenring vom Bahnhof Badesee über Haus Natur und Umwelt bis zum Bahnhof Stadion wurde wiedereröffnet. Weichen und Bahnübergänge wurden erneuert – in Zusammenarbeit mit der BVG und der Spitzke AG. Im Dezember luden wieder beliebte Nikolausfahrten Familien und Kindergruppen ein. Insgesamt verzeichnete die Parkeisenbahn 130 Fahrbetriebstage – davon 32 unter Dampf.